Unser Programm

Mo. 26. November 201820:00

Alte Meister IV: “Balance” – Konzertreihe mit Matthias Lorenz (Cello)

Matthias LorenzIn der Reihe „Alte Meister“ stehen vier Meisterwerke für Cello solo jeweils neuen Kompositionen gegenüber. Ziel ist es, durch das Programm einen Kontext zu schaffen, der einen veränderten Zugang zu diesen Stücken ermöglicht. Dazu ist vor allem eine genaue Analyse dieser Werke nötig, nicht nur unter dem Gesichtspunkt, was die Komponisten damals damit erreichen wollten, sondern auch, wie man ein halbes Jahrhundert später auf die Stücke schauen könnte.

In jedem Jahr steht eines der Stücke am Anfang und Ende des Konzertes und bestimmt auch den Titel des Abends. Das Ausgangsstück und dieser Titel stellen den doppelten Referenzpunkt dar, an dem sich Komponisten orientiert haben, die für die Reihe ein neues Stück für Cello solo komponiert haben. Zu altem und neuem Stück tritt jeweils noch ein bestehendes Werk aus der Zwischenzeit.

Zu Isang Yun gehört der Begriff Balance. Seine Komposition „Glissées“ ist der Versuch, östliche und westliche Musikkultur miteinander zu verbinden. Für die Tonhöhen benutzt er eine zutiefst westliche Erfindung. Die Oberfläche des Stückes, das was tatsächlich zu hören ist, ist aber östlich geprägt. Der Grund dafür liegt im Umgang damit, was unter “Ton” zu verstehen ist. Für uns ist ein Ton sozusagen das Atom dessen, aus dem Musik zusammengesetzt ist. Für Yun ist Ton immer schon etwas Zusammengesetztes. Auch ein westlicher Ton hat natürlich einen Beginn, einen Verlauf und ein Ende. Yun komponiert das aber detailliert aus.

Bei der letzten Bunten Republik (einem Stadtteilfest in Dresden) gab es einen Stand, an dem man sich seinen Namen mit chinesischen Schriftzeichen schreiben lassen konnte. Nicht nur, dass das Resultat schön ist, es war auch sehr interessant, der Entstehung zuzuschauen. Komplizierte Formen werden mit einem Pinselzug gemacht, zu dem unterschiedliche Richtungen und unterschiedlicher Druck für unterschiedliche Dicken gehört. Yuns Musik erinnert sehr an solch ein kalligraphisches Arbeiten. Wieso Yun ein Meisterwerk ist: Es ist genau diese Ausbreitung zum östlichen Verständnis des Tones, der immer wieder ganz unterschiedlich ist. Und genauso die Balance, die Yun immer wieder auch zwischen großen Gegensätzen herstellt. Und die er das ganze Stück über hält.

Diese Werke kommen zu Aufführung:

Isang Yun: Glissées (1970)
Charlotte Seither: krü (2018 – Uraufführung)
Petr Bakla: Something with something else III (2014)
Friedemann Schmidt-Mechau: Morgenlachen (1997)

Eintritt: 12.00/erm. 7.00 – Karten gibt es nur an der Abendkasse.

Veranstalter: Friedemann Schmidt-Mechau in Kooperation mit Musik und Literatur für Oldenburg e.V.

Dieses Konzert wird von der Stadt Oldenburg gefördert.